
Ein Ring macht noch lange keine glückliche Ehe!
Mai 12, 2008
dG, Nordhorn. Samstagabend, 21:45 Uhr! Im Ringcenter brennen noch alle Lichter! Am Kühlregal der dortigen Supermarktabteilung treffen wir Gesine K.-„ Ich wollt nur mal schnell nochn bissken Cervelatwurst aufholn“- bekommen wir gesagt und werden darauf hingewiesen, dass es – „praktikabel ist“ noch Einkäufe -„zu tun“-. Über den praktischen Nutzen dieser Handlung wollen wir nicht streiten und gehen weiter zur Kasse. Kurt W. sitzt dort auf seinem klapprigen Kassiererstuhl. Er ist 25 Jahre alt und hat eine Grafschafter Bilderbuchkarriere hinter sich. Nach seiner Ausbildung zum Milchwirt bei Hinnerk Harmkötter, der ihn aufgrund der steigenden Milchpreise nicht weiter beschäftigen konnte, hat Kurt nach mehreren- „Praktiken“- diese Stelle beim Marktkauf erhalten:
-„Dat is hier nen schönen Job von wech, kannst nichts sagen, glaubste wa?“- Nur die langen Arbeitszeiten machen Kurt ziemlich zu schaffen.- „ Ja dat is hart, aber wat willst mache, kommst ja nicht von weg. Aber glaub man, da scheckt dat Feierabendbier auch millionenfach besser.“-
Das Nordhorner Ringcenter hat sich als wahrhaftiges Innovationsmodell bewiesen. Der ehemalige Hausmeister der Frensdorfer Schule Willy S. kann davon ein Lied singen.
Nachdem die Schule geschlossen wurde machte er eine Umschulung zum Key-Account-Manager. Mit Erfolg! Er fand im Ringcenter eine neue Arbeit, seine neue Arbeit, seine Herausforderung, seine Lebensaufgabe. -„So wies in den Wald hineinschallt, so ruft es auch hinaus, neee! Von nichts kommt nichts, das hat schon mein Urgroßvater gesagt.“-. Willys Großvater sollte auf ewig Recht behalten.
Doch es gibt auch andere Stimmen, andere Menschen, andere Emotionen. Wir treffen Frau V.T., welche in der Nordhorner Innenstadt ein erfolgreiches Einzelunternehmen zu führen versteht. Sie sei durch die starke innerstädtische Fluktuation doch stark peripher tangiert und könne nicht von einer glücklichen Lage sprechen. Auch Pastor A. der im Marktkauf steht, hätte seine „Alien vs. Preditor“ DvD doch lieber in der Innenstadt gekauft. Der von vielen Trauungen gezeichnete A. weiß was es heißt, eine glückliche Ehe zu schmieden.
„Manchmal führen zwei Ringe zu einer Kette- das war hier schon immer so“.
Kurz vor Centerschluss kommt uns Renter Bernd X. hektisch entgegen. Doch an Kassierer Kurt W. ist schon der härteste Milchbauer gescheitert: -„ Hier ist jetzt Ende- Wir machen Schluss für heute“. Bernd. X macht seinem Ärger Luft: „ Dat isn Schiet hier! Über Tag kannste hier ja nicht einkaufen! Da kommste ja hier gar nicht mehr von wech!“ Wir fragen genauer nach und machen ihn auf die doch recht großzügigen Öffnungszeiten aufmerksam. „ Was glauben sie denn?“ -schmettert Bernd X.- „ Wenn hier die ganze Tag bei nur die Emsköppen am einkaufen sind, dann geh ich hier nich bei!“
von Heinz Leferink